Glossar & Definitionen

Matching numbers

Wiederkehrende Formulierungen in Verkaufsanzeigen historischer Fahrzeuge

Autor:  Peter Diehl
matching numbers
Matching numbers – dieser Begriff kann mehrere Bedeutungen haben.

Jeder Verkäufer stellt seine Ware in möglichst positivem Licht dar. Das ist üblich und legitim, auch bei historischen Fahrzeugen. Manche Formulierungen liest man in Verkaufsanzeigen immer wieder, in Zeitschriften und im Internet ebenso wie unmittelbar an den Fahrzeugen. Was wollen die Verkäufer damit ausdrücken? Worauf sollten Kaufinteressenten achten? Eine Sensibilisierung.

 

Wofür steht "matching numbers"?

 

Gedanke: Ursprünglich bezog sich die Formulierung auf den Antriebstrang, also auf Motor, Getriebe und ggf. Achsantrieb, und suggeriert, dass es sich hierbei um werksoriginale Komponenten handelt, deren Bauteilnummern zur Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN; engl. vehicle ident number, VIN) passen. Seit geraumer Zeit werden in diese Formulierung auch Lackierung und Innenausstattung einbezogen. Numbers, weil häufig auch Außenfarben und Innenausstattungsvarianten Nummern (Codes) besitzen. Und matching, weil es sich um die Farben und Varianten handelt, mit denen das damalige Neufahrzeug ausgeliefert wurde.

Realität: Das Leben eines Oldtimerfahrzeugs war lang und ereignisreich. Nicht immer erwies sich der ursprüngliche Motor als standfest und nicht immer fällt heute ein Neu- oder Tauschmotor durch seine abweichende Nummer auf. In einigen Fällen lieferte der Hersteller den Ersatzmotor nummernlos aus, so dass ganz offiziell die Identität des Originalmotors übertragen werden konnte. Ein Verkäufer, der Dokumente hierzu (Werkstattrechnung etc.) an den Käufer weitergibt, riskiert aufgrund des derzeitigen Originalitäts-Hypes Wertminderung, obwohl die genannte Vorgehensweise damals üblich war und noch heute branchenbekannt ist. Ein Unding, aber leider Realität.

Zur Lackierung: Matching numbers bedeutet hier, abweichend zu den Komponenten des Antriebsstrangs, nicht unbedingt Werkslack, sondern lediglich Werksfarbton. Das Fahrzeug kann also durchaus nachlackiert worden sein. Auch mit modernen, historisch nicht korrekten Materialien, obwohl die diesbezügliche chemikalienrechtliche Verordnung für – Zitat – „Oldtimer-Fahrzeuge, die als historisch und kulturell besonders wertvoll eingestuft sind“, eine Ausnahmeregelung enthält. Übrigens tragen bei manchen Herstellern auch Karosserieteile an den Innenseiten Nummern. Wie die Lackierung, ist auch die Innenausstattung bei matching numbers nicht zwangsläufig werksoriginal, sondern entspricht zumindest dem Auslieferungszustand.

Fazit: Wer bei matching numbers ausschließlich werksoriginale Komponenten und Materialien erwartet, kann nach genauer Prüfung enttäuscht werden.