Glossar & Definitionen

Patina

Wiederkehrende Formulierungen in Verkaufsanzeigen historischer Fahrzeuge

Autor:  Peter Diehl
Patina
Die Umrisse dieses oberflächlich abgenutzten Aufklebers sind gut erhalten.

Jeder Verkäufer stellt seine Ware in möglichst positivem Licht dar. Das ist üblich und legitim, auch bei historischen Fahrzeugen. Manche Formulierungen liest man in Verkaufsanzeigen immer wieder, in Zeitschriften und im Internet ebenso wie unmittelbar an den Fahrzeugen. Was wollen die Verkäufer damit ausdrücken? Worauf sollten Kaufinteressenten achten? Eine Sensibilisierung.

 

Was bedeutet also der Begriff "Patina" in einer Verkaufsanzeige? 

 

Gedanke: Mit der Veröffentlichung der Charta von Turin Anfang 2013 entstand ein größeres Bewusstsein für historische Fahrzeuge in unrestauriertem Zustand und mit patinierten Oberflächen. Seither wird häufig unterstellt, dass Patina einen eigenen Wert besitzt, der sich im Gesamtwert des Fahrzeugs wiederfindet.

Realität: Unter Patina versteht man die Auswirkungen normaler Nutzung, Pflege und Alterung, die sich an Oberflächen zeigen. Das kann Lack- und Metalloberflächen ebenso betreffen wie Textilien, Leder, Holz und Ähnliches. Sichtbar werden diese Veränderungen als Abnutzung (z. B. an Einstiegskanten oder durch wiederholtes Polieren), als Nachdunkeln (vergleichbar mit dem Nachdunkeln von Möbeln), als Vergilbung oder Mattierung sowie bei fortgeschrittenem Alter des Materials auch als natürliches Rissbild.

Trotz gegenteiliger Aussagen, nicht nur in Verkaufsanzeigen historischer Fahrzeuge, fallen diese Veränderungen keineswegs unter den Begriff Patina (Quelle: Restauratorin Dr. Gundula Tutt):

  • von außen stammende Ablagerungen, die sich durch Reinigung entfernen lassen, wie Staub, Schmutz, Insekten, Pollen, Baumharz, Schmier- und Konservierungsmittel etc.
  • durch Vernachlässigung (also nicht durch normale Nutzung und Pflege) entstandene Schäden, beispielsweise an so genannten Scheunenfunden oder lange Zeit im Freien abgestellten Fahrzeugen (u. a. intensive und großflächige Lackrisse an Fahrzeugen, importiert aus den Sonnenstaaten der USA)
  • Effekte, die sich bei Nutzung des Fahrzeugs rasch verschlimmern und zur Zerstörung des Bauteils/der Baugruppe führen, zum Beispiel Korrosion, lose Lackschichten oder Risse in Sitzbezügen
  • Veränderungen, die die sichere Nutzung des Fahrzeugs verhindern

 

Dass es bei Bewertung von und Arbeiten an unrestaurierten Fahrzeugen mit patinierten Oberflächen vor allem um die historische Substanz aller Komponenten und weniger um deren Patinierung geht, wird häufig missverstanden.

Vorsicht: Vor dem Hintergrund des unterstellten eigenen Werts von Patina werden seither auch Fahrzeuge mit künstlich patinierten Oberflächen angeboten – in Erwartung, mit dieser Täuschung einen höheren Verkaufspreis zu erzielen.

Häufige Erkennungszeichen künstlicher Patina sind ungewöhnlich gleichmäßige und gefällige Verschmutzungen und Abnutzungen an sämtlichen Oberflächen, vergleichbar mit so genannten Shabby-Chic-Möbeln. Bei genauer Betrachtung fallen oft unmittelbar zuvor erfolgte Arbeiten und, falls vorhanden, zwar oberflächlich abgenutzte, jedoch in ihren Umrissen gut erhaltene Aufkleber auf.

Inzwischen wird sogar Patina-Folie angeboten. Dabei handelt es sich um Karosseriefolie mit Effekten, die der Folienhersteller unter dem Begriff Patina einordnet.

Fazit: Der Begriff Patina wird häufig genutzt und auch häufig missbraucht. Genaue Prüfung von Fahrzeugzustand und -historie tut Not. Im Zweifel helfen Fachleute weiter.