Glossar & Definitionen

Umbau

Wiederkehrende Formulierungen in Verkaufsanzeigen historischer Fahrzeuge

Umbau
Dieses Cabriolet war zuvor eine Sachsenring Trabant 601 Limousine.

Jeder Verkäufer stellt seine Ware in möglichst positivem Licht dar. Das ist üblich und legitim, auch bei historischen Fahrzeugen. Manche Formulierungen liest man in Verkaufsanzeigen immer wieder, in Zeitschriften und im Internet ebenso wie unmittelbar an den Fahrzeugen. Was wollen die Verkäufer damit ausdrücken? Worauf sollten Kaufinteressenten achten? Eine Sensibilisierung.

 

Was steckt hinter dem Begriff "Umbau"?

 

Gedanke: Umschreibung für ein Fahrzeug, das, so wie es aktuell beschaffen ist, nicht das Herstellerwerk verlassen hat

Realität: Typische Beispiele sind eine zum Roadster umgebaute Riley Limousine, eine zum Cabriolet im Stil des französischen Karosseriebauers Henri Chapron veränderte Citroën DS Limousine und eine zum Cabriolet umgebaute Sachsenring Trabant 601 (P601) Limousine. Sie verdeutlichen, dass es sich in vielen Fällen bei den Basisfahrzeugen um solche mit geschlossenen und bei den Endprodukten um solche mit offenen Aufbauten handelt. Zu unterscheiden sind Umbauten ohne und mit konkreten Vorbildern.

Nicht in diese Kategorie fallen solche Vorkriegsfahrzeuge, die von den Herstellerwerken als Fahrgestelle ausgeliefert, von Karosseriebauern mit ersten Karosserien und im weiteren Verlauf ihrer Nutzung mit anderen, abweichenden Karosserien versehen wurden. Die Vorgehensweise war bis in die unmittelbare Nachkriegszeit üblich und wird heute allgemein akzeptiert.

Nochmals anders ist die Situation, wenn in jüngerer Zeit beispielsweise Horch 853 oder Mercedes-Benz 540K (W29) mit Karosserien im Stil damaliger so genannter Spezialroadster versehen wurden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit geschah das vor dem Hintergrund erwarteter Wertsteigerung, doch heute weiß man werksoriginale Fahrzeuge immer mehr zu schätzen.

Fazit: Abgesehen von den genannten, nachträglich geöffneten Riley und Citroën, für die durchaus Fangemeinden existieren, ist es schwierig, derart veränderte Fahrzeuge zu bewerten. Um beim Beispiel Sachsenring Trabant 601 (P601) Limousine zu bleiben: Der Umbau zum Cabriolet entsprach dem Geschmacksempfinden eines vorherigen Besitzers, wurde als Einzelarbeit oder in kleiner Stückzahl realisiert und wird somit sehr selten gehandelt. Womöglich ist zudem die handwerkliche Qualität des Umbaus zweifelhaft.

Allerdings hat die Verwendung des Begriffs „Umbau“ auch eine positive Seite. Immerhin gibt der Verkäufer zu, dass es sich um kein werksoriginales Fahrzeug handelt. Vermisst wird diese Ehrlichkeit mitunter bei mit konkreten Vorbildern umgebauten Fahrzeugen, bei denen sich die Preise von Basisfahrzeugen und Vorbildern signifikant unterscheiden. Umbauten des NSU 1000 zum 1000 TT, des Mercedes-Benz W111 Coupé zum Cabriolet und des Porsche 911 (F-Baureihe) zum Carrera RS 2.7 sind Beispiele hierfür.