Glossar: Begriffserklärungen

Alles Daimler, oder was?

Autor:  Peter Diehl
Daimler
Ein Mercedes-Benz? Nein, ein Mercedes-Knight. Und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten für Verwechslungen.

Mitunter ist es nicht einfach, nahe beieinander liegende Begriffe klar zu trennen. Wir helfen dabei. Für andere, bislang mehr schlecht als recht erklärte Begriffe finden wir allgemein verständliche Worte.

 

Falscheinträge in den Fahrzeugpapieren vermeiden

 

Seit 1886 produzierte die heutige Daimler AG unter wechselnden Herstellernamen Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge, die als Mercedes-Benz vermarktet wurden, unmittelbar mit dieser Marke in Verbindung stehen oder als deren Vorläufer gelten. Hinzu kommen Hersteller in Österreich, Italien, Großbritannien und den USA, die ebenfalls Daimler im Namen tragen. Sie verlieren gerade den Überblick? Keine Sorge, wir haben das gewachsene Verwirrspiel recherchiert und geordnet.

Zunächst zur Situation im Inland, chronologisch dargestellt in der folgenden Tabelle. Mit dem Zusammenschluss von Daimler-Motoren-Gesellschaft und Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG entstand 1926 die Marke Mercedes-Benz. Bis 1989 blieb es bei dieser leicht nachvollziehbaren Unterscheidung von Hersteller und Marke, erst dann wurde es unübersichtlich. Wohlbemerkt im Inland…

 

Hersteller und Marke – was ist was bei Daimler und Mercedes-Benz?

Fahrzeughersteller Zeitraum

Fahrzeugmarken

Benz & Cie. 1886 bis 1926 Benz

Daimler-Motoren-Gesellschaft

1889 bis 1926

Daimler, Mercedes, Mercedes-Simplex, Mercedes-Knight

Daimler-Benz AG 1926 bis 1989 Mercedes-Benz
Mercedes-Benz AG 1989 bis 1997 Mercedes-Benz

DaimlerChrysler AG

1998 bis 2007 Mercedes-Benz, Maybach
Mercedes-AMG GmbH seit 1998 Mercedes-Benz, Mercedes-AMG
Daimler AG 2007 bis 2019 Mercedes-Benz, Maybach, Mercedes-Maybach
Mercedes-Benz AG seit 2019 Mercedes-Benz (Pkw), Mercedes-Maybach
Daimler Truck AG seit 2019 Mercedes-Benz (Nfz)

Gottlieb Daimlers Auslandsaktivitäten und die Veräußerung der Rechte am Nach- und Firmennamen führten zu dessen Verbreitung in Europa und Nordamerika. So gründete er 1899 mit zwei Investoren die Österreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft Bierenz Fischer u. Co., kurz Austro-Daimler. Produziert wurden u. a. Pkw, Lkw und Busse. 1934 erfolgte die Fusion mit Steyr zur Steyr Daimler Puch AG.

Nachdem Gottlieb Daimler bereits 1891 Produktion und Vermarktung seiner Motoren in Großbritannien und dem Commonwealth lizensierte, wurden in Coventry 1893 das Unternehmen Daimler Motor Syndicate Ltd. und 1896 die Daimler Motor Company gegründet. Im Anschluss an eine 50-jährige Zugehörigkeit zur Birmingham Small Arms Company (BSA) kam die Daimler Motor Company 1960 zu Jaguar, wo man fortan besonders gestaltete und/oder ausgestattete Versionen bestehender Baureihen als Daimler vermarktete. Größere Bekanntheit erlangte neben den von 1970 bis 2009 gebauten Spitzenversionen der XJ-Generationen die Staatslimousine Daimler DS 420, und zwar als Fahrzeug von „Queen Mum“, der 2002 verstorbenen Mutter von Königin Elisabeth II. Wegen seiner auffällig gestalteten Kühlermaske wird dieser Daimler häufig mit einem Bentley verwechselt. Bei einem Daimler, wie Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz mitunter umgangssprachlich genannt werden, handelt es sich also längst nicht immer um ein Fahrzeug mit dreizackigem Stern.

Im Zusammenhang mit der Daimler Motor Company ist noch das neapolitanische Unternehmen De Luca-Daimler zu erwähnen. Von 1906 bis 1910 wurden Fahrzeuge für den italienischen und britischen Markt produziert.

Auch zwei Firmen in den USA basierten auf der Lizensierung von Gottlieb Daimlers Motoren: Daimler Motor Company (1888 bis 1896) und Daimler Manufacturing Company (1896 bis 1913). Die Baureihe 45 HP wurde mit Limousinen- oder Tourenwagen-Karosserie gefertigt.

Seit 2008 liegen die Namensrechte für Daimler, bezogen auf Straßenfahrzeuge, beim indischen Konzern Tata Motors, nachdem sie zuvor über Jaguar in den Besitz von Ford gelangt waren. 2007 überwies DaimlerChrysler eine zweistellige Millionensumme an Ford, um seither den neuen alten Namen führen zu können.

Aufgrund der aufgezeigten Komplexität im In- und Ausland kommt es nicht selten zu Verwechslungen, aus denen mitunter Falscheinträge in den Fahrzeugpapieren resultieren. Meist scheitern korrekte Einträge an nicht vorhandenen oder fehlerhaften Differenzierungen zwischen Hersteller und Marke, die, auch abhängig vom Zeitpunkt der Erstzulassung, durchaus unterschiedlich ausfallen können.