Glossar: Begriffserklärungen

Messing, Nickel und Chrom

Autor:  Peter Diehl
Nickel
Nickelbeschichtete Kühlerfigur und -maske eines Voisin C15 Petit Duc.

Mitunter ist es nicht einfach, nahe beieinander liegende Begriffe klar zu trennen. Wir helfen dabei. Für andere, bislang mehr schlecht als recht erklärte Begriffe finden wir allgemein verständliche Worte.

 

Wann begann, wann endete die Nickel-Ära?

 

Metallische Oberflächen äußerlich sichtbarer Komponenten (Kühlermasken, Stoßstangen, Spiegel, Zierteile etc.) sind bei bis in den 1970er, teilweise bei bis in den 1980er Jahren gebauten Fahrzeugen typisch, bei jüngeren Fahrzeugen kaum und bei aktuellen Fahrzeugen vereinzelt wieder vorhanden. Letzteres u. a. als Spange zwischen den Heckleuchten, wobei es sich hier um keine Metall-, sondern um entsprechend beschichtete Kunststoffteile handelt. Doch das nur am Rande.

Der stilistische Umbruch in den 1970er/1980er Jahren lässt sich an kaum einem anderen Beispiel besser verdeutlichen als am Modellwechsel der Mercedes-Benz SL-Baureihen R107 zu R129. Während der R107 rundum üppigen Chromschmuck trägt, blinken beim R129 nur noch die beiden Markenlogos und die Teleskopantenne metallisch.

Chrom ist nicht die einzige mögliche metallische Oberfläche an Zierteilen historischer Fahrzeuge. Zudem ist zwischen Beschichtung und massivem Bauteil zu unterscheiden. In der Frühphase der Mobilität bestanden die genannten Komponenten häufig aus massivem Messingblech, danach handelte es sich um Stahlblech mit Nickel-, später mit Chromoberfläche. Die Betonung liegt auf Oberfläche, weil eine solche Beschichtung nicht allein aus Nickel bzw. Chrom besteht, sondern mit Kupfer, Nickel und ggf. Chrom einen mehrschichtigen Aufbau aufweist. Man spricht von Messing-, Nickel- und Chrom-Ären, deren Zeiträume in der nachfolgenden Tabelle dargestellt sind.

Materialien und Datierung von Zierteilen
Ära Material

Zeitraum

Messing massive Messing-Bauteile bis ca. 1918, in Einzelfällen auch später
Nickel Nickel-Beschichtungen

ca. 1918 bis ca. 1925, in Einzelfällen auch später

Chrom Chrom-Beschichtungen

ab ca. 1925 bis zu den 1970er/1980er Jahren

Messing
Massive Messing-Zierteile an einem Wanderer „Puppchen“

 

Messing ist eine Kupferlegierung mit Zink als zweitem Hauptbestandteil. Weitere Legierungsmetalle mit geringeren Anteilen können u. a. Blei, Nickel und Zinn sein. Abhängig vom Zinkanteil, schimmert Messing meist goldähnlich und lässt sich somit leicht identifizieren.

Chrom
Verchromte Hirsch-Figur auf der Motorhaube eines GAZ M-21 Wolga

Schwerer ist die Differenzierung zwischen Nickel- und Chrombeschichtungen, denn beide Metalle schimmern silberweiß, wobei Chrom mehr spiegelt und anlaufbeständig ist. Ebenso wie Messing und im Gegensatz zu Nickel ist Chrom nicht ferromagnetisch, doch diese theoretische Unterscheidungsmöglichkeit vereitelt in der Praxis das unter den dünnen Schichten befindliche Stahlblech.

 

 

 

In der Vergangenheit wurden bei Reparaturen, Restaurierungen oder Neuaufbauten mitunter Nickel- durch Chrombeschichtungen ersetzt, was unabsichtlich oder absichtlich geschehen sein kann. Heute sollte, insbesondere bei Mitte bis Ende der 1920er Jahre gebauten Fahrzeugen, genau recherchiert werden, aus welchen Materialien die Beschichtung ursprünglich bestand, und ggf. die Nickeloberfläche wiederhergestellt werden.

Die in der Tabelle enthaltenen Jahreszahlen sind lediglich ungefähre Angaben, die in einzelnen Fällen auch überschritten werden können. Ein Beispiel hierfür ist ein Exponat des Skoda-Werksmuseums in Mladá Boleslav (Tschechische Republik). Der Skoda 110, eigentlich ein Laurin & Klement 110, der nach dem Verkauf an Skoda zunächst als Laurin & Klement - Skoda 110 und später als Skoda 110 bezeichnet wurde, trägt trotz Baujahr 1929 nickelbeschichtete Zierteile.