Glossar: Begriffserklärungen

Nachbau, Replika und Dublette

Autor:  Peter Diehl
Nachbau, Replika und Dublette
Mercedes-Benz 540K Stromlinienwagen (Replika auf Basis von Fragmenten des Originals)

Mitunter ist es nicht einfach, nahe beieinander liegende Begriffe klar zu trennen. Wir helfen dabei. Für andere, bislang mehr schlecht als recht erklärte Begriffe finden wir allgemein verständliche Worte.

 

Wodurch differenzieren sich Nachbau, Replika und Dublette?

 

Bei einem Nachbau handelt es sich um die Kopie eines historischen Fahrzeugs, gefertigt

  • außerhalb der normalen Gebrauchszeit des Vorbildfahrzeugs
  • ohne oder mit Teile(n) aus der historischen Fahrzeugfertigung
  • ohne den Hersteller des Vorbildfahrzeugs (auch ohne dessen Lizenz)
  • ohne didaktischen oder wissenschaftlichen Hintergrund (im Gegensatz zur Rekonstruktion)

Somit wird der Nachbauer selbst zum Hersteller und der Nachbau gilt zum Zeitpunkt der Fertigstellung als Neufahrzeug. Ist der Nachbau zulassungsfähig, wird der Nachbauer auch als Hersteller in die Fahrzeugpapiere eingetragen. Markenrechtliche Betrachtungen sollen an dieser Stelle nicht erfolgen. Beispielhafte Nachbauer sind Pur Sang in Argentinien (Bugatti Type 35B und andere Grand-Prix-Fahrzeuge), Chamonix in Brasilien (Porsche 356 Speedster und 550 Spyder) sowie Weineck in Deutschland (AC Cobra).

Zu unterscheiden sind moderne und historische Nachbauten, wobei Letztere zwar ebenfalls außerhalb der normalen Gebrauchszeit des Vorbildfahrzeugs entstanden, jedoch inzwischen mindestens 30 Jahre alt sind und somit eine eigene historische Identität aufweisen.

Entstand die Kopie des historischen Fahrzeugs beim ursprünglichen Hersteller oder mit dessen Lizenz, handelt es sich um eine Replika. Beispiele für Replikas sind BMW 328 Mille Miglia Kamm-Coupé, Melkus RS 1000 (mehrere seit 2006) und Mercedes-Benz 540K Stromlinienwagen (Replik auf Basis von Fragmenten des Originals).

Nicht verschwiegen werden soll, dass der Duden vom kunsthistorischen Standpunkt abweicht, indem er drei Begriffe und Definitionen unterscheidet.

  • Replik: Nachbildung eines Originals, vom Hersteller selbst angefertigt
  • Replika: minderwertige Nachbildung eines Originals
  • Replikat: Nachbildung eines Originals gemeinhin

Unter Dublette ist eine nur mit sehr großem Aufwand vom Vorbildfahrzeug zu unterscheidende Kopie einschließlich identischer Nummerierung von Fahrgestell, Motor, Getriebe etc. zu verstehen.

Dass sämtliche Dubletten in betrügerischer Absicht entstanden oder entstehen, ist jedoch nicht anzunehmen. Vermutet werden Fälle, in denen Besitzer von Vorbildfahrzeugen Dubletten anfertigen ließen, um die seltenen und teuren Originale zu schonen und dennoch an Oldtimerveranstaltungen teilnehmen zu können. So oder so – zulassungs- und/oder markenrechtliche Probleme sind denkbar.

Unabhängig davon, ob es um einen Nachbau, eine Replika oder eine Dublette geht, handelt es sich stets um die Kopie eines historischen Fahrzeugs ohne dessen identitätsgebende Baugruppe (Rahmen oder Karosseriebereich mit FIN, ggf. auch legal registrierter Ersatzrahmen). Somit fehlt der Kopie die dokumentierte historische Identität und sie kann nicht in die historische Identität des Vorbildfahrzeugs eintreten. Die eigene Identität der Kopie beginnt erst mit ihrer Fertigstellung. Mit anderen Worten: Bei Zuordnung der Identität des Vorbildfahrzeugs oder gar bei Vermarktung mit dieser Identität wird aus der Kopie eine Fälschung.

Der inzwischen häufig verwendete Begriff Continuation Cars (Fortsetzungsfahrzeuge) ist eine Wortschöpfung von Herstellern, die Fahrzeuge eigener früherer Baureihen nachfertigen und vermarkten, aber nicht als Replikas bezeichnen wollen. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist der Jaguar E-Type Lightweight von 1963, von dem Jaguar Land Rover Ltd. ab 2014 sechs weitere Exemplare auf die Räder stellte. Sechs Exemplare, weil sechs hierfür vorgesehene Fahrgestellnummern 1963 ungenutzt blieben. Auch ein Continuation Car gilt zum Zeitpunkt der Fertigstellung als Neufahrzeug.