Glossar: Begriffserklärungen

Peitschenantenne

Autor:  Peter Diehl
Peitschenantenne
Peitschenantenne an einem Skoda Rapid 136 aus den späten 1980er Jahren

Mitunter ist es nicht einfach, nahe beieinander liegende Begriffe klar zu trennen. Wir helfen dabei. Für andere, bislang mehr schlecht als recht erklärte Begriffe finden wir allgemein verständliche Worte.

 

Worin liegt die Besonderheit der Peitschenantenne?

 

Nicht immer und überall war (und ist) die Qualität des analogen Radioempfangs ausreichend, um im fahrenden Auto störungsfrei Musik und Nachrichten zu hören. Der heute oft ab Werk verbaute Antennenverstärker war zuvor ein der Nachrüstung vorbehaltenes Zubehörteil. Doppel-Tuner (ein Empfangsteil hält die Frequenz, das andere sucht nach störungsärmeren Alternativfrequenzen) und Antennendiversität (das Vorhandensein mehrerer Antennen an verschiedenen Positionen) scheiterten noch an den damaligen Baugrößen und Kosten. Eine moderne Antenne mit integriertem Verstärker wird als aktive Antenne bezeichnet, doch das nur am Rande.

Als Alternative zum Antennenverstärker wurde bis in die 1980er Jahre die so genannte Peitschenantenne genutzt. Dabei handelt es sich um eine besonders lange und relativ biegsame Antenne aus einem Glasfiber-Stab, der einen Kupferdraht umhüllt. Aufgrund Länge und Flexibilität des Stabs benötigt diese Antennenbauart zwei Befestigungspunkte: am Kotflügel für den Antennenfuß (meist an einem der Vorderkotflügel) und in der Regel im hinteren Bereich der Dachzierleiste für die Antennenspitze. Bei manchen Peitschenantennen sorgt eine zylindrische Feder, positioniert zwischen Fuß und Stab, für zusätzliche Flexibilität.

Dass sich die höhere Empfangsqualität der Peitschenantenne mit der Länge ihres Antennenstabs erklärt, ist nicht schwer zu erraten. Nach der Formel Antennenstablänge in Meter = 93,75 / Frequenz in Megahertz errechnet sich für das UKW-Band 88 bis 108 Megahertz eine mittlere ideale Stablänge von etwa 0,96 Meter. Empfangsverbessernd wirkt die Vervielfachung dieser Länge, wobei beim Auto mehr als eine Verdopplung auf rund 1,92 Meter – die Länge einer Peitschenantenne – unrealistisch erscheint.

Für den Empfang in den früher üblichen Frequenzbereichen Lang-, Mittel- und Kurzwelle (LMK) ein Zitat aus dem 1976 in zweiter Auflage erschienenen Buch „Rundfunkempfang im Auto“ des VEB Verlag Technik Berlin: „[…] Allgemein gilt, daß die Antennenspannung bei LMK-Empfang etwa linear mit der Antennenlänge wächst. Eine Antenne mit doppelter Länge gibt also etwa die doppelte Spannung an den Empfänger ab. Die Reichweite des Empfangs wird daher unmittelbar von der Autoantenne mitbestimmt. […]“

Besonders häufig sah man mit Peitschenantennen versehene Pkw in der damaligen DDR, so zumindest der subjektive Eindruck des Autors. Die mit der Entfernung zur innerdeutschen Grenze und zu Westberlin abnehmende Feldstärke dortiger Radiosender lässt diesen Eindruck glaubhaft erscheinen.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch moderne kürzere Antennen mit relativ biegsamem Kunststoffstab mitunter als Peitschenantennen bezeichnet werden.