Glossar: wiederkehrende Formulierungen

Unrestauriert, restauriert, teil- und vollrestauriert

Autor:  Peter Diehl
Restaurierung
Mehr als 95 Prozent aller historischen Fahrzeuge wurden bereits überarbeitet – mindestens einmal, häufig mehrfach.

 

Jeder Verkäufer stellt seine Ware in möglichst positivem Licht dar. Das ist üblich und legitim, auch bei historischen Fahrzeugen. Manche Formulierungen liest man in Verkaufsanzeigen immer wieder, in Zeitschriften und im Internet ebenso wie unmittelbar an den Fahrzeugen. Was wollen die Verkäufer damit ausdrücken? Worauf sollten Kaufinteressenten achten? Eine Sensibilisierung.

 

Was bedeuten diese vier Begriffe?

 

Gedanke: „Unrestauriert“ soll glauben machen, es handele sich um ein historisches Fahrzeug im besonders originalen materiellen Zustand, während die drei anderen Begriffe suggerieren, das Fahrzeug sei teilweise bzw. gänzlich in seinen ursprünglichen (Neu-)Zustand zurückversetzt worden.

Realität: Zunächst zur Definition des Begriffs Restaurierung. Darunter ist die Bearbeitung und/oder Ergänzung von Teilen oder Bereichen eines Objekts – hier eines historischen Fahrzeugs – zu verstehen. Eine Restaurierung ist stets mit dem Ziel verbunden, einen früheren Zustand ablesbar und verständlich zu machen. Sie sollte…

  • sich auf Teile oder Bereiche beschränken, die tatsächlich Schäden oder Verluste aufweisen, und möglichst viel historische Substanz des Objekts erhalten
  • mit authentischen Materialien, Werkzeugen und Verfahren ausgeführt werden
  • originales Design und originale Technik nicht verändern, auch nicht ins Spekulative abdriften
  • von einer ausführlichen und präzisen Dokumentation begleitet werden

Aus diesen Punkten resultiert die Erkenntnis, dass Arbeiten an historischen Fahrzeugen in vielen Fällen nicht als Restaurierungen, sondern als Neuaufbauten mit modernen Mitteln zu werten sind. Doch das nur am Rande.

Restaurierung
Auch die Mehrheit der historischen Fahrzeuge jüngeren Erstzulassungsdatums wurde bereits überarbeitet.

Ebenfalls nur am Rande der Hinweis darauf, dass man bei einer Restaurierung nicht stets nur den Zustand bei Fahrzeugauslieferung vor Augen haben muss. Möglich und sinnvoll können auch historisch interessante Abschnitte oder Zeitpunkte der Gebrauchsphase sein, so ein ab den späten 1970er Jahren typischerweise zum 353W modifizierter Wartburg 353 oder ein Rennfahrzeug unmittelbar vor einem bestimmten Grand Prix.

Zurück zur Fragestellung nach der Bedeutung der genannten Begriffe. Bei einem laut Verkäufer unrestaurierten Oldtimer handelt es sich so gut wie nie um ein Fahrzeug im vollkommen originalen materiellen Zustand. Im Regelfall wird auch ein bereits überarbeitetes Fahrzeug derart bezeichnet, solange sich die Arbeiten in erkennbaren Grenzen hielten, bei einer Neulackierung zum Beispiel. Somit ist der Übergang zur Teilrestaurierung fließend, womit gemeint ist, nur manche Baugruppen oder Bereiche seien überarbeitet worden, andere hingegen nicht. Am wenigsten greifbar erscheint der Begriff Restaurierung, weil der Umfang der Arbeiten zunächst im Dunkeln bleibt. Ganz anders die Vollrestaurierung, wobei hier die Befürchtung mitschwingt, keine einzige Schraubverbindung sei ungeöffnet geblieben und historische Substanz weit mehr als nötig verloren gegangen.

Fazit: Unabhängig davon, welcher der genannten Begriffe verkaufsfördernd genutzt wird, kann sich der Interessent nicht sicher sein, einen bestimmten oder gar definierten Fahrzeugzustand vorzufinden. Auch dann nicht, wenn die Arbeiten professionell ausgeführt wurden. Ein überarbeiteter Oldtimer hat stets Überraschungsei-Charakter. Zum Thema originale Substanz sei betont, dass diese, wenn verloren gegangen, nicht reproduzierbar, sondern nur imitierbar ist. Mit drei simplen, aber eingehenden Worten: weg ist weg.