Glossar: Spitznamen

Spitznamen für Fahrzeuge C bis G

Autor:  Peter Diehl
Cellokasten
Cellokasten

 

Mitunter neigen Menschen dazu, Spitznamen zu vergeben. Für andere Menschen, aber auch für Objekte, beispielsweise Fahrzeuge. Für historische Fahrzeuge und deren Bauteile haben wir mehr als 100 Spitznamen zusammengetragen, alphabetisch geordnet und erklärt. Manche Spitznamen sind nur in Teilen der Bundesrepublik bekannt, wodurch unser Nachschlagwerk selbst für Kenner zu einer Fundgrube wird.

 

Spitzname Fahrzeug Produktions-
zeitraum
Hintergrund

Cellokasten

Fuldamobil S-1 bis S-7 1954 bis 1969 weil der insgesamt von 1950 bis 1969 gebaute Kleinst-wagen ab 1954 mit einer runden, bauchig wirkenden Karosserie gefertigt wurde

Cremeschnittchen

Renault 4 CV 1946 bis 1961 für die Lackierung verwendete Renault zunächst zurück-gelassene Tarnfarbe der Wehrmacht („Wehrmachts-Beige“, RAL 1000), weshalb das Fahrzeug in Frankreich als „la motte de beurre“ (Butterklumpen) bezeichnet wurde; vermutlich stammt der deutsche Spitzname aus dem Saarland, wo damals Zollfreiheit zu Frankreich bestand, weshalb der 4 CV dort relativ häufig gefahren wurde

Doktorwagen

Opel 4/8 PS 1909 bis 1910 weil Ärzte das Fahrzeug für Hausbesuche nutzten

Dreikantschaber

Porsche Le Mans-Prototyp und 2000 GS-GT 1962 bis 1964 wegen der für Hochgeschwindigkeits-Rennstrecken entwickelten Karosserie mit kurzem Dach, abfallender Front und ebensolchem Heck

Elefanten-Rollschuh

Fiat 126,

Polski Fiat 126p
1972 bis 2000 weil die kompakte Bauweise und der kurze Radstand an einen Rollschuh erinnern

Elfer

Porsche 911 ab 1963

Kurzform der Verkaufsbezeichnung des Porsche 911
(weitere Kurzform: Neunelfer)

Emme

Motorräder der Marke MZ 1952 bis 1991 abgeleitet vom ersten Buchstaben der Marke

Ente

Citroën 2 CV 1949 bis 1990 weil das frühere Firmenlogo von Citroën einen Schwan symbolisiert und ein Journalist den 2 CV als „hässliches Entlein zwischen den Schwänen“ bezeichnete

Entenbürzel

Porsche 911 2.7 RS

1972 bis 1973

wegen des an einen Entenbürzel erinnernden Heckspoilers

Erdbeerkörbchen

VW Golf I Cabriolet 1979 bis 1993 wegen der kantigen Karosserieform und des relativ mittig positionierten Überrollbügels

Faltenbalg-Porsche oder Faltenbalg-911

Porsche 911 1973 bis 1989 wegen seiner Kunststoff-Faltenbälge an beiden Stoßfängern, dahinter sitzen Pralldämpfer (US-Version) oder Prallrohre; Hintergrund waren geänderte Zulassungsvorschriften in den USA, die keine Beschädigungen bei Kollisionen bis 8 km/h verlangten

Feuervogel

Victoria Spatz 1956 bis 1958 weil sich die aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff (GFK) gefertigte Karosserie des Kleinstwagens bei Tests als brennbar erwies

Flachkühler

Mercedes-Benz W111 Coupé und Cabriolet 1969 bis 1971 im Rahmen einer Modellpflege (bei Daimler als MOPF abgekürzt) erhielt die Baureihe W111 1969 einen breiteren und flacheren Kühlergrill (Vor-MOPF-Fahrzeuge werden seither Hochkühler genannt)

Flügeltürer

Mercedes-Benz 300 SL (W198) 1954 bis 1957 wegen der nach oben öffnenden Türen des Coupés (weiterer Spitzname: Gullwing; das Cabriolet W198 II hat keinen Spitznamen)

Fridolin

Volkswagen Typ 147 1964 bis 1974

ursprünglich interne Projektbezeichnung des bei Westfalia auf dem Chassis des Karmann Ghia gebauten Transporters für die Deutsche Bundespost

Frontlenker

Lkw und Omnibusse verschiedener Hersteller - nach dem Prinzip „Fahrerkabine über dem Motor“ konstruierte Fahrzeuge, so dass Lenkrad und somit Fahrer weit vorn positioniert sind

Froschauge
(engl.: Frogeye)

Austin-Healey Sprite Mark 1 1958 bis 1961 wegen der an Froschaugen erinnernden Positionierung der Frontscheinwerfer

Gangster-Limousine

Citroën Traction Avant 1934 bis 1957 weil er mit Frontantrieb, niedrigem Schwerpunkt, relativ breiter Spur und langem Radstand eine sehr gute Straßen-lage hatte und sich somit hervorragend als Fluchtfahrzeug eignete (im Kino ebenso wie im wirklichen Leben)

Glaserati

Glas 2600 V8, BMW Glas 3000 V8  1966 bis 1968 aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Maserati Quattroporte I (gleicher Designer: Pietro Frua)

Göttin

Citroën DS

1955 bis 1975

DS wird im Französischen Déesse ausgesprochen (Übersetzung: Göttin)

Güllepumpe

Honda CX 500 1978 bis 1986

in seinen „Werner“-Comics machte sich Rötger Feldmann über wassergekühlte Motorradmotoren lustig und zeichnete den Kühlmittelkreislauf einer Honda CX 500 als Güllepumpe (Zitat Comic-Figur Werner: „Siessu Horst, was sach ich, CX 500, beste Güllepumpe auffe Welt!“)

Gullwing

Mercedes-Benz 300 SL (W198) 1954 bis 1957 wegen der nach oben öffnenden Türen des Coupés (Übersetzung: Möwenflügel; weiterer Spitzname: Flügeltürer; das Cabriolet W198 II hat keinen Spitznamen)

Gummiboot

MG B

1974 bis 1980 weil das seit 1962 gebaute Cabriolet im Jahr 1974 vordere und hintere Stoßstangen aus schwarzen Kunststoff erhielt („Gummi“) und die Karosserie um 25 mm höher gelegt wurde, was mit verschlechterten Fahreigenschaften verbunden war („Boot“); Hintergrund waren geänderte Zulassungsvorschriften im Hauptmarkt USA, die keine Beschädigungen bei Kollisionen bis 8 km/h und höher positionierte Scheinwerfer verlangten

Gummikuh oder Kuh

BMW Motorräder der R-Baureihe 1955 bis 1990 weil eine Konstruktionsänderung der Hinterradaufhängung im Jahr 1955 beim Anfahren das Anheben des Hecks bewirkt; Hintergrund: Kühe stehen auf, indem sie zuerst das Hinterteil heben (der Vergleich wird dem Journalisten Ernst Leverkus zugeschrieben)