Glossar: Spitznamen

Spitznamen für Fahrzeuge S bis Z

Autor:  Peter Diehl
Weltkugel
Weltkugel

 

Mitunter neigen Menschen dazu, Spitznamen zu vergeben. Für andere Menschen, aber auch für Objekte, beispielsweise Fahrzeuge. Für historische Fahrzeuge und deren Bauteile haben wir mehr als 100 Spitznamen zusammengetragen, alphabetisch geordnet und erklärt. Manche Spitznamen sind nur in Teilen der Bundesrepublik bekannt, wodurch unser Nachschlagwerk selbst für Kenner zu einer Fundgrube wird.

 

Spitzname

Fahrzeug

Produktions-
zeitraum
Hintergrund

Saccos Meisterwerk

Mercedes-Benz SL (R129) 1989 bis 2001 weil die vom damaligen Mercedes-Benz-Chefdesigner Bruno Sacco gezeichnete Karosserie des R129 inzwischen als Musterbeispiel für Stilsicherheit und zeitloses Design gilt

Schneewittchensarg

Volvo P 1800 ES (Kombi),
Messerschmitt Kabinenroller

1971 bis 1973

Volvo P 1800 ES: wegen der gläsernen Heckklappe und der großen hinteren Seitenfenster,
Messerschmitt Kabinenroller: wegen des kuppelförmigen Dachs aus Plexiglas (vgl. Spitzname Käseglocke)

Schlaglochsuchgerät

BMW Isetta

1955 bis 1962

weil mit den stark unterschiedlichen Spurweiten von Vorder- und Hinterachse kaum einem Schlagloch ausgewichen werden kann

Schlüsselloch-Kapitän

Opel Kapitän 1958 bis 1959

wegen der an ein Schlüsselloch erinnernden Form der Heckleuchten

schwarze Witwe

Opel Rekord C als Werksrennwagen Ende der 1960er Jahre

wegen seiner schwarzen Außenlackierung, tödliche Unfälle bei Rennen sind nicht bekannt (vgl. Spitzname Witwenmacher)

Schwein
(engl.: the pig)

Austin-Healey 3000

1959 bis 1967

angeblich nannte Pat Moss, Rennfahrerin und Schwester von Sir Stirling Moss, das Fahrzeug wegen seiner nur schwer beherrschbaren Fahreigenschaften „the pig“

Schweineschnauze

Ford Transit mit Dieselmotor 1974 bis 1978

weil der ab 1974 verwendete Ford-eigene Dieselmotor größer als der vorherige, von Perkins zugekaufte Motor ist und seine Integration Veränderungen an der Fahrzeugfront erforderten, die an eine Schweineschnauze erinnern

Silberfloh

Fuldamobil N-1 und N-2 1952 bis 1955

weil der insgesamt von 1950 bis 1969 gebaute Kleinstwagen in den Jahren 1952 bis 1955 mit einer Karosserie aus strukturiertem und unlackiertem Aluminiumblech gefertigt wurde

Silberpfeil

Grand-Prix-Rennwagen der 1930er Jahre von Auto Union,
Grand-Prix-Rennwagen der 1930er und Formel-1-Rennwagen der 1950er Jahre von Mercedes-Benz
1934 bis 1939, 1952 bis 1955

wegen der silbern wirkenden Aluminiumkarosserien und der silberfarbenen Außenlackierung, die damals länderspezifisch war (Weiß oder Silber = Deutschland); angeblich sprach ein Kommentator beim AVUS-Rennen 1932 erstmals von einem „silbernen Pfeil“, der Übergang von Weiß auf Silber ist jedoch strittig; die heutige Daimler AG bezeichnet ihre modernen, ab 1997 eingesetzten Formel-1-Fahrzeuge ebenfalls als Silberpfeile

Steyr-Baby

Steyr 50

1936 bis 1940

Kleinwagen des Waffenherstellers Steyr mit gerundeter Karosserieform, gilt als „österreichischer Volkswagen“

Stoffhund

Trabant P601 A (Kübelwagen, Militär-Kfz der Nationalen Volksarmee der DDR, kurz NVA, und der vormilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik, kurz GST; A = Armeeausführung) 1966 bis 1990

der Spitzname bezieht sich auf das Verdeck des Fahrzeugs und wird nur von ehemaligen Berufssoldaten und Wehrpflichtigen der NVA sowie von ehemaligen Mitarbeitern der GST verwendet (die für die Forstwirtschaft bestimmte Ausführung P601 F wird interessanterweise nicht Stoffhund genannt)

Stoppel

Steyr-Opel 4,5/22 PS 1932 bis 1933

Lizenzfertigung des 1931 vorgestellten Opel 1,2 Liter (Nachfolger des Opel 4 PS, vgl. Spitzname Laubfrosch)

Strich-Acht oder /8

Mercedes-Benz W114 und W115

1967 bis 1976

Daimler-interner Entwicklungscode der Baureihe

Tantchen
(engl.: Auntie)

Rover P4 1949 bis 1964

wegen seines gegen Ende der Produktionszeit bieder wirkenden Karosseriedesigns

Tin Lizzie

Ford Model T 1908 bis 1927

wegen des blechern erscheinenden Äußeren (Übersetzung: Blech-Liesel)

Topolino

Fiat 500 A 1937 bis 1955

wegen der kleinen Bauform und des niedlich erscheinen-den Äußeren, vermutlich im Zusammenhang mit den Mickey Mouse-Heften (in Italien hat die Comic-Figur den Namen Topolino, übersetzt als Mäuschen)

traurige Lösung

VW 1600 TL (Fließheckvariante des
Typ 3)
1968 bis 1974

weil diese Variante des VW Typ 3 nur wenig Erfolg hatte und deshalb das Kürzel TL, was eigentlich für Touren-Limousine steht, als traurige Lösung übersetzt wurde

Turnschuh

BMW Z3 Coupé 1998 bis 2002

wegen der an einen Turnschuh erinnernden Seitenansicht

überdachte Zündkerze

Trabant P50, P60, P601 und andere Kleinwagen 1958 bis 1990

wegen der kleinen Bauform und der ebensolchen Zylinderzahl derart bezeichneter Fahrzeuge

Vogelkäfig
(engl.: Birdcage)

Maserati Tipo 61 1960 bis 1961

wegen dem an einen Vogelkäfig erinnernden filigranen Gitterrohrahmen, der zum Teil sichtbar ist

Volks-Porsche

VW-Porsche 914/4,
Porsche 914/6
1969 bis 1976

weil der 914 von Porsche und Volkswagen gemeinsam entwickelt und vertrieben wurde: VW-Porsche 914/4 mit Vierzylinder-Boxer-Ottomotor, gebaut bei Karmann in Osnabrück, und Porsche 914/6 mit Sechszylinder-Boxer-Ottomotor, gebaut bei Porsche in Stuttgart

Wasserbüffel

Suzuki GT 750 1972 bis 1977

weil der 738 Kubikzentimeter große Dreizylinder-Zweitaktmotor des Motorrads wassergekühlt und mit seinem Drehmoment von 77 Nm recht durchzugsstark ist

Weltkugel

Ford Taunus

1952 bis 1959

wegen der stilisierten Weltkugel über der Kühlermaske

Witwenmacher

Bugatti Type 54 1931 bis 1932

wegen einiger tödlicher Unfälle bei Rennen